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Präanalytik

 

Die präanalytische Phase umfasst ca. 50 % des diagnostischen Gesamtprozesses und ist ausschlaggebend für eine genaue Analyse der Proben. Das heißt: Nur eine gute Präanalytik garantiert beste Labor-Ergebnisse.

Es ist wichtig, das richtige Probenmaterial abzunehmen, die Vorschriften für die Probengewinnung zu beachten und das Probenmaterial fachgerecht zu lagern, respektive zu transportieren.

Fehler bei der Erstellung von labormedizinischen Befunden betreffen ca. 30 % den präanalytischen Bereich. Die Richtigkeit des Laborbefundes wird von Bedingungen, unter denen das Untersuchungsmaterial gewonnen, zwischengelagert und transportiert wurde, maßgeblig beeinflusst.

In unserer Präanalytikfibel haben wir für Sie alle relevanten Informationen zusammengestellt.

Klicken Sie bitte auf das Bild, um die Präanalytikfibel als pdf-Datei zu lesen.


Allgemeine Hinweise für mikrobiologische Untersuchungen
Zu einer zuverlässigen mikrobiologischen Diagnostik gehört die  fachgerechte Durchführung von Probenentnahme, Lagerung und Transport.   Dadurch wird die Kultivierbarkeit krankheitsauslösender Erreger  gesichert und zugleich ein verdrängendes Wachstum von Begleitflora  verhindert.

Aus diesem Grunde sind die folgenden Punkte zu beachten:
 

Materialgewinnung

 
  • möglichst vor Beginn einer antibiotischen Therapie
  • Proben gezielt vom Ort der Infektion entnehmen
  • sterile Gefäße verwenden, möglichst mit Transportmedien
  • Vermeidung von Kontaminationen mit der körpereigenen Flora
  • Probenvolumen in ausreichender Menge gewinnen
 

Entnahme-/ Transportsystem

Eine Übersicht über alle aktuell verfügbaren Entnahmesysteme können Sie bei uns anfordern.

 

Probenbegleitschein

 
  • Bezeichnung des Untersuchungsmaterials
  • Anatomischer Herkunftsort
  • Entnahmezeitpunkt
  • Verdachtsdiagnose, Krankheitsbild und –dauer
  • Angaben zur antimikrobiellen Therapie
  • Grunderkrankungen (z. B. Mukoviszidose, Diabetes mellitus)
  • Umgebungs-, Reiseanamnese
 

Untersuchungsauftrag

 
  • allgemeiner Untersuchungsauftrag "Erreger und Resistenz" ("E+R“ oder "pathogene Bakterien")
  • Der Untersuchungsgang wird an dem für den Entnahmeort typischen Erregerspektrum ausgerichtet und beinhaltet: 
    • die mikroskopische Untersuchung des Materials (sofern geeignet)
    • den kulturellen Nachweis schnellwachsender Bakterien (aerobe und ggf. anaerobe Kulturanlage)
    • Prüfung auf antibakterielle Hemmstoffe (bei Urinen und Punktaten)
    • die Identifizierung relevanter Keime und
    • die Sensibilitätstestung relevanter Keime
  • ausdrücklich anzufordernde spezielle Untersuchungen: 
    • Erreger,   für deren Kultivierung Spezialnährböden benötigt  werden (z. B.   Gonokokken, Legionellen, Choleravibrionen, Mykobakterien,  Pilze, alle   viralen Erreger)
    • Erreger, die routinemäßig nicht kultiviert   werden können;  der Nachweis erfolgt dann mit anderen Methoden, z. B.   ELISA,  Spezialfärbungen (z. B. Malaria, Legionellen, Mykobakterien,    Pneumocystis jiroveci, Noro-Viren)
    • Molekularbiologische Erregernachweise (z. B. PCR Chlamydien)
Eine   Nachforderung zusätzlicher Untersuchungen ist in der  Regel nur   innerhalb von 24 Std. nach Probenentnahme möglich, da  ansonsten die   Stabilität und/oder Konstanz der mikrobiologischen  Zusammensetzung der  Probe nicht mehr gewährleistet ist.
Blutkulturen
Die Anlage von Blutkulturen umfasst die Entnahme von Venenblut und die   Verimpfung in entsprechende Kulturmedien für die mikrobiologische   Diagnostik.
 

Indikationen

 
  • Fieber unklarer Genese
  • Klinische Zeichen einer Sepsis oder eines septischen Schocks
  • Verdacht auf systemische Beteiligung bei einer lokalisierten Infektion (z. B. Pneumonie, Osteomyelitis, Meningitis)
  • Verdacht auf eine zyklische Infektionskrankheit (z. B. Typhus, Brucellose)
  • Verdacht auf Bakteriämie oder Fungämie (z. B. bei einer subakuten Endokarditis)
  • Katheterassoziierte Infektion
Die  Indikation sollte besonders breit gefasst werden bei  Neugeborenen,  Greisen, immunsuppressiv behandelten Patienten, Patienten  mit  Neutropenie, Intensivpatienten sowie Patienten mit intravaskulären   Implantaten (z. B. Herzklappen-Prothese).
Bitte beachten: 
  • bei  Verdacht auf spezielle bakterielle Erreger (z. B.  Brucellose,  Leptospirose, Tularämie) Bestimmung der spezifischen  Antikörper (Serum)
  • bei Verdacht auf Malaria oder andere Blutparasiten (Filarien usw.) EDTA-Blut einsenden
  • lange Bebrütungszeit (3 Wo.) bei Endokarditis, Brucellose: Bitte auf Anforderungsschein vermerken!

Untersuchungsauftrag

 
  • allgemeiner Untersuchungsauftrag:  "Erreger und Resistenz"  (Erläuterung siehe "Allgemeine Hinweise für   mikrobiologischeUntersuchungen")
  • speziellerUntersuchungsauftrag: Pilze, Mykobakterien (spezielle Blutkulturmedien verwenden, siehe oben).
 

 Entnahmezeitpunkt

 
  • unmittelbar bei Auftreten klinischer Symptomatik
  • nicht auf Fieberanstieg warten
  • möglichst vor Behandlungsbeginn bzw. am Ende eines Antibiotika-Dosierungsintervalls
  • in rascher Folge möglichst zwei Blutkulturpaare (1 Paar = 1aerobe + 1 anaerobe Flasche) aus verschiedenen Entnahmeorten
  • Bei Verdacht auf Endokarditis Entnahme von mehreren Blutkulturen über einen Zeitraum von mehreren Std.
 

Entnahmeort

 
  • Blutentnahme  aus peripheren Venen (meist Vena cubitalis  in der Ellenbeuge) oder  Arterien (arterielle Blutentnahmen zeigen jedoch  keine Vorteile)
  • möglichst folgende Punktionsorte vermeiden (erhöhte Kontaminationsgefahr): 
    • Venafemoralis in der Leistenbeuge
    • Venen im Bereich entzündeter Hautareale
    • intravaskulärer Katheter (ZVK, peripher venöse Katheter)
    • Portsystem (nur zum Nachweis katheterassoziierter Infektionen sinnvoll)
 

Durchführung

 
  • hygienische  Händedesinfektion mit VAH (Verbund für  angewandte Hygiene e.V.)  gelistetem Hautdesinfektionsmittel, z. B. mit  70 %-igem Alkohol
  • Einmalhandschuhe tragen
  • Vorbereitung der Blutkulturflaschen: 
    • Flaschen für anaerobe und aerobe Erreger auf Raumtemperatur vorwärmen
    • Kunststoff-Schutzkappeder Flasche abnehmen
    • Durchstich-Stopfen mit VAH gelistetem Hautdesinfektionsmittel desinfizieren
    • Desinfektionsmittel trocknen lassen
  • Hautdesinfektion: 
    • Punktionsstelle (ca. 5 x 5 cm) mit VAH gelistetem Hautdesinfektionsmittel, z. B. mit 70 %-igemAlkohol mechanisch reinigen
    • danach eigentliche Desinfektion erneut mit einem VAH gelisteten Hautdesinfektionsmittel mittels Dosierspray oder sterilem Tupfer
    • Hautvollständig trocknen lassen (ca. 60 sec.), Punktionsgebiet nicht mehr berühren
  • Blutentnahme und Flaschenbeimpfung: 
    • Entnahme  von Blut durch Venenpunktion (benötigte  Beimpfungsmenge je nach  Blutkulturmedium siehe Tabelle) und in die  Blutkulturflasche geben (bei  Blutabnahme mitSpritzen: anaerobe Flasche  zuerst beimpfen, um Eintritt  von Luftblasen in diese Flasche zu  verhindern; für das Beimpfen der  Blutkulturflaschen eine neue  Kanülebenutzen; bei Blutabnahme mit  geschlossenen Systemen (z. B. für  Vacutainer von BD): aerobe Flasche  zuerst beimpfen, da im Schlauchsystem  noch etwas Luft sein kann)
    • Blutkulturflaschen nicht belüften!
    • Beschriftung der Flasche und Ausfüllen des Begleitscheines: Entnahmedatum, -ort und -Uhrzeit nicht vergessen
    • Barcode auf der Blutkulturflasche nicht überkleben oder beschriften!

Zwischenlagerung

 
  • bei Raumtemperatur (20 - 25 °C)
 

Besonderheiten

 
  • Transport ins Labor möglichst schnell
  • Dem Kurierdienst die Flaschen bitte gesondert übergeben (nicht gekühlterTransport)!
Urin für mikrobiologische Untersuchungen
Die Gewinnung von Mittelstrahlurin (MSU) gilt als Methode der Wahl für   mikrobiologische Untersuchungen, jedoch ist unbedingt auf eine   sachgemäße Entnahmetechnik zu achten. Kontaminationen durch Urethral-   und/oder Umgebungsflora sind zuvermeiden!

Durch eine  suprapubische Gewinnung (Aspiration) von Blasenurin  ist eine  Kontamination der Probe nahezu ausgeschlossen. Eine  Katheterisierung  zur Uringewinnung sollte nicht routinemäßig erfolgen,  da sie unangenehm  für die Patienten ist. Zudem birgt sie die Gefahr der   Keimeinschleppung in die Blase und der Traumatisierung der Urethra.
 

Entnahme-/Transportsysteme

 
  • Urin-Monovette - Lagerung und Transport gekühlt (2 bis 8 Grad Celsius) 

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