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Diagnostik des Folsäuremangels

Epidemiologie

Folsäuremangel ist der häufigste Vitaminmangel in Europa. Bis zu 90 % der Folsäure gehen durch die Behandlung der Nahrungsmittel verloren. Eine empfohlene Aufnahme von 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag (600 – 700 g) lässt sich kaum realisieren. Es ist erwiesen, dass ein großer Teil der Bevölkerung eine unzureichende Folsäurebilanz aufweist.

Biochemie

Folsäure ist die Ausgangssubstanz der metabolisch aktiven Folate, die zusammen mit ihren Derivaten als Koenzym für zahlreiche Stoffwechselvorgänge fungieren.
Folate gehören zu den essentiellen Vitaminen und müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Folsäure spielt in Verbindung mit Vitamin B12 eine essentielle Rolle:
  • bei der DNA-Synthese zur Reifung der Erythrozyten,
  • im Histidin- und Tryptophanstoffwechsel sowie
  • bei der RNA-Synthese und Zellneubildung. 
Eine enge Verbindung besteht ebenfalls zum Homocysteinstoffwechsel (siehe Laborinformation Homocystein).

Der menschliche Organismus enthält 5 - 10 mg Folat, davon sind ca. 50 % in der Leber gespeichert.
Die Folsäurekonzentration im Serum spiegelt die vorangegangene Aufnahme mit der Nahrung wider und schwankt demzufolge, wohingegen der intraerythrozytäre Wert – ähnlich dem Ferritin im Eisenstoffwechsel – den Folsäurespeicher repräsentiert.

Nach totaler Unterbrechung der Folsäurezufuhr kommt es nach ca. 4 Wochen zum Abfall des Folsäurewertes im Serum unter den unteren Referenzbereichswert.

Stadieneinteilung des Folsäuremangels

Der Folsäuremangel kann in 4 Stadien eingeteilt werden:
StadiumBeurteilung
ISerumfolsäure vermindert, erythrozytäre Folsäure (Folatspeicher) normal
IISerumfolsäure vermindert, erythrozytäre Folsäure vermindert, keine klinischen Symptome des Folsäuremangels
IIISerumfolsäure vermindert, erythrozytäre Folsäure vermindert, geringgradige Verminderung der Erythropoese, MCV grenzwertig erhöht, Hypersegmentierung der neutrophilen Granulozyten, keine klinischen Symptome des Folsäuremangels
IVklinisches Bild des Folsäuremangels und makrozytäre Anämie

Diagnostisches Vorgehen

Da die Folsäurewerte im Serum in Abhängigkeit von der Nahrungszufuhr schwanken, sind zwei Messungen an verschiedenen Tagen erforderlich.
Die erythrozytäre Folsäure ist unabhängig von kurzfristigen Nahrungseinflüssen und sollte bei der ersten Serumbestimmung grundsätzlich miterfolgen.
Die Folsäurekonzentration in den Erythrozyten gilt als zuverlässiger Indikator für den "Füllungszustand" des Folsäurespeichers.

Indikationen zur Folsäurebestimmung

  • Makrozytäre Anämie,
  • chronischer Alkoholabusus,
  • Frauen, die eine Schwangerschaft planen, insbesondere wenn in der Familie schon ein Kind mit Neuralrohrdefekt geboren wurde,
  • medikamentöse Therapie mit Antiepileptika, Methotrexat, Pyrimethamin (Malariakranke), Sulfasalazin, orale Kontrazeptiva, Trimethoprim,
  • Malabsorptionssyndrom bei M. Crohn, Colitis ulcerosa, tropischer Sprue etc.,
  • chronisch atrophische Gastritis,
  • chronische Lebererkrankungen,
  • alte Menschen mit unregelmäßiger oder ungenügender Nahrungsaufnahme,
  • Jugendliche mit einseitiger oder unausgewogener Ernährung (Fast Food).

Labordiagnostik und Präanalytik

Methode:Chemilumineszenzassay
Untersuchungsmaterial:Folsäure im Serum: Serum - Monovette Erythrozyten-Folsäure: EDTA – Monovette
Patientenvorbereitung:Nüchternblutentnahme bei Folsäurebestimmung aus Serum!
Transport/Lagerung:Die Proben vor Lichteinwirkung schützen. Sie müssen am Entnahmetag im Labor eintreffen! Ansonsten: Lagerung bis zum Eintreffen des Kurierfahrers bei Raumtemperatur!



Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: Tel. 0335 55 81-100


Dipl.-Med. Elvira Schulz
Fachärtin für Transfusionsmedizin

Dipl.-Med. Michael Schuster
Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Facharzt für Transfusionsmedizin


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