Für Einsender > Unsere Fachpublikationen

RSV-Infektionen (Respiratory Syncytial Virus) 

Erreger

Das Respiratory Syncytial Virus (RSV) gehört zu den RNA-Viren und verursacht Infektionen der Atemwege. Serologisch werden die Gruppen A und B unterschieden. Der Mensch ist das einzige Reservoir für RSV.

Saisonalität

Das RSV tritt in winterlichen Epidemien auf: Die höchste Inzidenz wird von Oktober/November bis März/April beobachtet (RSV-Saison). Sporadische Infektionen können auch in den Sommermonaten auftreten.

Betroffene Altersgruppe

Das RS-Virus kann in jedem Lebensalter Atemwegserkrankungen hervorrufen. RSV ist aber der bedeutendste Erreger von Atemweginfektionen bei Säuglingen und Kleinkindern. Bis zum Ende des 2. Lebensjahres haben nahezu alle Kinder eine RSV-Infektion durchgemacht. Aber auch ältere Menschen und immundefiziente Personen können betroffen sein.

RSV vermehren sich auf den Schleimhäuten der Atemwege und zerstören das zilientragende Epithel; es kommt zur Verlegung der kleinen Atemwege (Entstehung von nicht belüfteten Bezirken) und kompensatorisch zu stark belüfteten Lungenarealen.

Inkubationszeit: 2 - 8 Tage (Mittel: 4 Tage)

Ansteckungsfähigkeit: 1 - 5 Tage. Aber auch Ausscheidungen der Viren über mehrere Wochen sind möglich (besonders bei Frühgeborenen und Immundefizienten).

Klinik

RSV verursacht ein breites Spektrum an akuten respiratorischen Erkrankungen wie Rhinitis, Pharyngitis, Keuchhusten-ähnliche Erkrankung (Pseudo-Krupp), Tracheobronchitis, Bronchiolitis.

Fieber > 39 °C tritt nur in ca. 20 % der Fälle auf.

In den ersten 4 - 6 Lebenswochen werden nur selten ernste pulmonale Erkrankungen gesehen (Schutz durch mütterliche Leihantikörper).

Im 1. Lebensjahr treten bei den Säuglingen Pneumonien, Bronchiolitis und Apnoen auf. Ab dem 2. Lebensjahr entwickelt sich häufig eine obstruktive Bronchitis (asthma-ähnlich).

Re-Infektionen bis ins Erwachsenenalter verlaufen klinisch meist als Infektionen der oberen Luftwege („common cold“, Erkältung). Bei Asthmatikern kann es zu einer Exazerbation des Asthmas kommen.

Komplikationen sind eine akute Otitis media. Bei 40 % der stationär behandelten Patienten entwickelt sich eine Pneumonie.

Besonders gefährdet sind Patienten mit COPD, Asthma bronchiale, Mukoviszidose, Frühgeborene mit broncho-pulmonaler Dysplasie und Herzfehlern. Bei diesen Patienten  werden auch noch heute tödlich verlaufende Pneumonien gesehen (Letalität ca. 1%).

Nosokomiale (im Krankenhaus erworbene) RSV-Infektionen sind die häufigsten nosokomialen Infektionen in der stationären Kinderheilkunde.

Immunität: Es besteht keine langfristige Immunität. Reinfektionen treten lebenslang praktisch jährlich auf, bleiben aber meist relativ symptomarm.

Diagnostikmöglichkeiten

Antigennachweis:

AnforderungRSV-Schnelltest
UntersuchungsmaterialNasenspülflüssigkeit, Nasen-Rachen-Abstriche/ -Aspirate
EntnahmesystemTupfer mit Virustransportmedium (kann über das Labor angefordert werden)
Untersuchungsdauerca. 1 Stunde
Untersuchung erfolgt taggleich mit eintreffendem U.material
Ergebnisübermittlung erfolgt per Fax oder telefonisch


Antikörpernachweis
:

AnforderungRSV-Ak
Untersuchungsmaterial1 Serum-Monovette
(weiße Sarstedt-Monovette)


Da die Antikörperbildung in den verschiedenen Stadien der RSV-Infektion unterschiedlich ausgeprägt ist, empfiehlt es sich, ein Serumpaar (im Abstand von 2 - 3 Wochen entnommen) zu untersuchen.

Prophylaxe

Aktive Immunisierung: Impfstoffe zur aktiven Immunisierung sind derzeit noch nicht verfügbar.

Passive Immunprophylaxe: Seit 1999 steht für bestimmte Risikokinder das Präparat Palivizumab (SynagisTM, monoklonaler Antikörper) zur Prophylaxe von RSV-Erkrankungen zur Verfügung.

Dosierung: 15 mg Palivizumab/kg KG i. m., erste Injektion bei Epidemiebeginn, danach 4 Injektionen in monatlichem Abstand. Bei prolongiertem Saisonverlauf kann eine 6. Palivizumab-Injektion erwogen werden. (siehe auch AWMF-Leitlinie)

Übertragung / Hygiene

Der Erreger ist sehr empfindlich gegenüber Desinfektionsmitteln und Detergenzien, besitzt jedoch eine relativ hohe Umweltresistenz und kann so stundenlang auf kontaminierten Oberflächen überleben.

Infektionsweg: Eintrittspforten für den Erreger sind die Nasenschleimhäute und Konjunktiven.

Übertragungsmöglichkeiten:

  • Tröpfcheninfektion bei engem Kontakt (Entfernung < 2 m)
  • kontaminierte Gegenstände (z. B. Stethoskope, Pflegehilfsmittel, Kugelschreiber)
  • kontaminierte Oberflächen (z. B. Hände)
  • durch asymptomatische oder symptomarme Jugendliche und Erwachsene 


Im Krankenhaus sollten Patienten mit RSV-Infektion für mindestens 7 Tage nach Beginn der Klinik von anderen Patienten räumlich getrennt werden (ggf. Kohortenisolierung). Auf strikte Einhaltung der hygienischen Händedesinfektion ist zu achten.

Meldpflicht

Keine Meldepflicht nach §6 IfSG für Einzelfälle, nach Abs. 3 ist nur ein gehäuftes Auftreten als nosokomiale Infektion nichtnamentlich an das GA zu melden.
Keine Meldepflicht nach §7 IfSG (Labormeldepflicht).

Therapie

Es existiert keine wirksame kausale Behandlungsmöglichkeit der RSV-Infektion; die Therapie ist symptomatisch (Flüssigkeitszufuhr, Sauerstoffgabe etc). Eine inhalative Ribavirin-Behandlung kann in Erwägung gezogen werden (aber nur auf Intensiv-Stationen).



Dr. med. Dirk Bandt
Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie


Literatur:

Prophylaxe von schweren RSV-Erkrankungen bei Risikokindern mit Palivizumab. AWMF-Leitlinie. Stand 08/2008

Respiratory Syncytial Viren (RSV), RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte, Epidemiologisches Bulletin 03/2004, aktualisiert Mai 2011

Stellungnahme zur Prophylaxe von schweren RSV-Erkrankungen bei Risikokindern mit Palivizumab der Fachgesellschaften DGPI, DGPK, GPP, GNPI, Stand: 30.09.2008

DGPI Handbuch. Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 5. Auflage, 2009


Suche

Kontakt
Institut für
Medizinische Diagnostik
Oderland
Am Kleistpark 1
15230 Frankfurt (Oder)
T: 0335 5581-100
F: 0335 5581-160
email
> Anfahrt
> Impressum