Institut für Medizinische Diagnostik Oderland
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Für Einsender > Unsere Fachpublikationen Systemische Meningokokken-Infektionen
Epidemiologie
- In Deutschland pro Jahr z. Z. etwa 0,5 - 0,7 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner,
- meist sporadische Fälle, Kontaktfälle kommen vor,
- saisonaler Gipfel im Winter und zeitigen Frühjahr,
- alle Altersgruppen sind betroffen, die meisten Patienten sind Säuglinge und Kleinkinder.
Ätiologie
- Deutschland: 70 - 75% der Fälle durch Meningkokokken der Serogruppe B (kein Impfstoff!), 20 - 25% durch Serogruppe C (Impfstoff vorhanden).
Pathogenese
- Tröpfcheninfektion (Respirationstrakt),
- Inkubationszeit: meist < 4 Tage,
- bei ca. 10% der Gesunden findet man Meningokokken im Rachen (Besiedlung).
Klinische Symptome und Befunde
Als Frühzeichen einer systemischen Infektion (vor Auftreten der typischen Hauteffloreszenzen) gelten Muskelschmerzen, kalte Hände und Füße sowie Hautblässe.
Sepsis
- Beginn: akut bis perakut,
- Hauptsymptome: Fieber, typische Hauteffloreszenzen, bei perakutem Verlauf Schocksymptome,
- weitere Symptome: beeinträchtigter Allgemeinzustand, Abgeschlagenheit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Erbrechen, Kopfschmerzen,
- Hautveränderungen (Maculae, Papulae, Petechien, Ekchymosen) können zu Beginn noch diskret sein (Patient entkleiden!),
- in etwa 10 - 20% perakuter Verlauf (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) mit Schock und (meist) Exitus letalis.
Meningitis
- Meningokokken sind die häufigsten Erreger der bakteriellen Meningitis,
- die Meningitis ist die häufigste klinische Manifestation einer systemischen Meningokokken-Infektion,
- die Patienten zeigen meist die typischen meningitischen Zeichen und die hinweisenden Hauteffloreszenzen.
Diagnostik
- Bei Verdacht sofortige stationäre Einweisung (evtl. ITS),
- Blut-, Liquor-Kultur zum Erregernachweis,
- Blut: Blutbild, Gerinnungsparameter, CRP/PCT, Glukose,
- Liquor: Zellzahl, Zellbild, Eiweiß, Glukose, Mikroskopie.
Therapie
- Kalkulierte Antibiotika-Therapie mit Cefotaxim oder Ceftriaxon (evtl. plus Ampicillin), bei Nachweis von Meningokokken evtl. Umstellung auf Penicillin G,
- supportive Therapie.
Komplikationen
- Schock, disseminierte intravasale Gerinnung,
- Organ- bzw. Multiorganversagen.
Prognose
- Gesamtletalität: ca. 5 - 10%,
- es versterben überwiegend Patienten mit perakuter Sepsis, selten Patienten mit Meningitis.
Prophylaxe
- Beratung und Überwachung der Kontaktperson (d.h., beim geringsten verdächtigen Symptom Arzt aufsuchen!),
- Antibiotika-Prophylaxe bei Kontaktpersonen mit Refampicin (Alternativen: Ciprofloxacin, Ceftriaxon), Meningokokken-Stämme mit Refampicin- bzw. Ciprofloxacin-Resistenz kommen selten vor,
- einen Impfstoff gegen B-Meningkokokken gibt es nicht,
- es gibt einen Polysaccharid-Impfstoff gegen die Serogruppen A, C, Y, W-135, einen konjugierten Meningokokken-C-Impfstoff und neuerdings einen tetravalenten Konjugatimpfstoff (A, C, W135, Y),
- systemische Meningokokken-Infektionen (Verdacht, Erkrankung, Tod) sind meldepflichtig.
Prof. Dr. med. W. Handrick
Wissenschaftlicher Beirat
Literatur:
Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (Hrsg.): DGPI Handbuch-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 5. Aufl., G. Thieme-Verlag Stuttgart 2009, S. 368 - 372
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